Als Besitzer von MySQL wäre Oracle schlimmer als der sprichwörtliche Fuchs im Hühnerstall.
MySQL hat einen weiten Weg hinter sich und eine große Zukunft vor sich, aber nur, wenn seine weitere Entwicklung in den Händen von jemand liegt, der ernsthaft mit Oracle konkurrieren will. Nicht in Oracle's eigenen Händen.
Es gibt eine Unzahl von Dingen, die Oracle mit MySQL anstellen könnte. Datenbanken sind ein großes Feld, also kann Oracle versprechen, viel Geld auszugeben und alle mögliche Arbeit zu leisten. Aber diese zwei Dinge wird Oracle nie tun:
- MySQL ernsthaft in einer Form zu verbessern, die Oracle's eigenem Kerngeschäft schadet
- MySQL aggressiv gegenüber Kunden als Alternative nicht alle, aber immer mehr Einsatzzwecke anzupreisen, die Oracle's Kerngeschäft sind
Es hat noch nie eine Firma gegeben, die ihre eigene marktführende, hochpreisige Milchkuh mit einer preislich aggressiven Alternative "kannibalisiert" hat. Es erfordert immer einen weiteren Anbieter, um mit dem überteuerten Marktführer wirklich zu konkurrieren. Sobald sich beide Angebote unter einem Dach befinden, klappt das nicht mehr.
Ein MySQL im Besitz von Oracle wäre nur noch zahnlos. Es würde in verschiedene Richtungen gesteuert werden, die vielleicht andere im Markt irgendwie betreffen, aber sicher nicht so, wie es Oracle weh tun würde. Das ist noch schlimmer als der sprichwörtliche Fuchs im Hühnerstall. Der Fuchs wird die Hühner nur deshalb fressen, weil er Hunger hat. Aber die Hühner sind keine Bedrohung für den Fuchs. Dagegen ist MySQL die größte Bedrohung, der sich Oracle in seiner gesamten Firmengeschichte ausgesetzt sah. Dieser Herausforderung will sich Oracle entledigen, nicht auf eine einfache und direkte, sondern auf eine versteckte Weise, die aber letztlich dieselben negativen Auswirkungen auf die Kunden hätte.
Deshalb sollten die Wettbewerbsbehörden es Oracle nicht erlauben, MySQL einfach als Teil von Sun zu schlucken. Irgendwelche Versprechungen dafür, was Oracle tun oder nicht zu tun gedenkt, helfen nicht wirklich. Diese mögen wie Problemlösungen aussehen, sind aber keine. Es gibt keinen Ersatz dafür, einen wirklich motivierten Akteur im Markt zu haben, der die betreffenden geistigen Eigentumsrechte besitzt und keinerlei Interessenskonflikt mit einem anderen Datenbank-Geschäftszweig hat.
Die einfachste und zuverlässigste Lösung wäre, von Oracle die Weiterveräußerung von MySQL an eine geeignete dritte Partei zu erwarten. Dann hätte der Markt weiterhin einen ernsthaften Wettbewerber, an den sich Kunden für alles wenden können, was mit MySQL zu tun hat, und auf dieser Grundlage kann Oracle gerne den Rest von Sun haben. Der zweitbeste Ansatz wäre es, Oracle zwar eine Komplettübernahme von Sun inklusive MySQL zu gestatten, aber sicher zu stellen, dass andere Unternehmen eine echte (und nicht nur eine theoretische) Chance haben, die Innovation von MySQL voranzutreiben. Damit dritte Parteien dazu in die Lage versetzt werden, benötigen sie Zugriff auf den vorhandenen MySQL-Programmcode (und dessen künftige Versionen) auf einer Basis, die ihnen unabhängig von Oracle ermöglicht, die gesamte MySQL-Landschaft zu beliefern, nicht nur einen Teil von dieser.
Innovation erfordert immer die Kombination von zwei Faktoren: die Mittel und die Motivation. Oracle hätte sicherlich die Mittel: es hat ein gut gefülltes Konto und versteht das Geschäft. Aber seine Motivation wäre immer, MySQL auf Web- und Low-End-Anwendungen zu beschränken. Angesichts der Positionen zu MySQL, die Oracle im Lauf der Jahre wiederholt eingenommen hat, besteht kein Zweifel, dass es auf eine solche Limitierung hinauslaufen würde. Das ist allerdings nicht im Interesse des Marktes.
Also muss es jemand anders geben, der die Motivation und die Möglichkeiten hat, auf allen Ebenen und Gebieten mit MySQL Erfolg zu haben. Idealerweise würde ein ernsthafter Konkurrent die MySQL-bezogenen geistigen Eigentumsrechte erwerben, um dann unabhängig dieses Geschäft weiterzuentwickeln. Im zweitbesten Szenario braucht man eine grundlegende Änderung der MySQL-Lizenzregeln zu Gunsten von unabhängigen Innovatoren, damit diese nicht nur die Motivation, sondern auch die wirtschaftlichen Möglichkeiten zum wirklichen Erfolg haben. Diese Marktneulinge hätten zwar nicht die berühmte Marke "MySQL" und müssten ein komplett neues Geschäft aufbauen, aber zumindest könnte dann nach einiger Zeit der eine oder andere bedeutende Wettbewerber entstehen.
Weniger als das bringt nichts. Versprechungen im Hinblick auf künftiges erhalten laufen immer auf blindes Vertrauen hinaus (gegen jede wirtschaftliche Logik).