F&A: Oracle und Sun

Warum wäre Oracle ein schlechterer MySQL-Eigner als Sun?

Der grundlegende Unterschied besteht darin, dass Sun im Gegensatz zu Oracle kein solches Datenbankgeschäft gegen MySQL zu schützen hat. Oracle ist der sprichwörtliche Fuchs im Hühnerstall. Sun hat keinen Interessenskonflikt: je erfolgreicher MySQL ist, desto besser für Sun. Aber je weniger erfolgreich MySQL in verschiedenen wichtigen Marktsegmenten ist, desto besser für Oracle...

Kann MySQL trotz der Entlassungen und Kostenstreichungen bei Sun dort eine Zukunft haben?

Auf jeden Fall. MySQL als Geschäftsbereich braucht keine Quersubventionen von anderen Geschäftszweigen. Der MySQL-Bereich kann gleichzeitig wachsen und Profite an den Mutterkonzern abwerfen. MySQL hat profitables Wachstum sogar schon vorgemacht, als es viel kleiner als jetzt war.

Wenn Sun seine kurzfristige Liquidität auf MySQL's Kosten maximieren wollte, wäre es damit am besten bedient, MySQL an einen Käufer abzugeben, anstatt so viel kurzfristigen Profit aus MySQL herauszuquetschen, dass das Wachstum darunter leiden würde. Der Markt kann immer eine Lösung finden, außer wenn ein bedeutender Konkurrent wie Oracle MySQL besitzt und genau die falschen Ziele verfolgt.

Wäre es angemessen, die Übernahme von Sun im Ganzen zu verzögern oder untersagen, nur weil ein so kleiner Bereich wie MySQL Probleme macht?

Offensichtlich ist MySQL für Oracle sehr wichtig. Denn selbst als klar wurde, dass die EU-Kommission keine anderen Bedenken als MySQL hatte, bestand Oracle weiterhin auf MySQL.

Oracle sollte sich verpflichten, MySQL an eine geeignete dritte Partei zu veräußern oder eine förmliche, rechtlich bindende Lösung erarbeiten, die es anderen erlaubt, sich um fortgesetzte Innovation bezüglich MySQL zu kümmern. Ansonsten ist es ausschließlich Oracle's Schuld, dass die rechtlichen Prüfungen weitergehen müssen und möglicherweise in Untersagungsentscheidungen münden.

Regulierer können nur über einen Deal entscheiden, der ihnen vorgelegt wird. Wenn Oracle nur "alles oder nichts" anbietet, dann sind die Behörden gezwungen, über "alles oder nichts" zu entscheiden. Wenn Oracle einen problematischen Bereich, in diesem Fall also MySQL, herausnimmt, dann können die Regulierer auch über den restlichen Deal getrennt entscheiden. Die Schlüssel zur Lösung liegen in Oracle's Händen, und Oracle kann die Schuld in keinem Fall den Regulierern in die Schuhe schieben.

Hätte nicht Sun, das im Jahr 2008 MySQL kaufte, nun das Recht, es an jeden beliebigen Käufer - einschließlich Oracle - zu veräußern?

Hätten MySQL's Aktionäre an Oracle verkaufen wollen, wäre das auch direkt möglich gewesen.

Natürlich ist es legitim für Sun, sich eine Zukunft zu suchen, und jeder, der irgendwann mit MySQL zu tun hatte, wird Sun das Beste für seine Zukunft wünschen. Gleichwohl müssen die Kartellbehörden dann, wenn eine Transaktion den Markt negativ betreffen würde, auf einer förmlichen, rechtlich bindenden Lösung bestehen oder ansonsten den Deal blockieren.

Es ist selbstverständlich für Oracle und seine Aktionäre wünschenswert, Sun zu kaufen, da die Kontrolle über MySQL ein Weniger an Konkurrenzdruck bedeutet. Aber das liegt nicht im öffentlichen Interesse. Ein solcher Deal wäre gut für die Aktionäre, aber schlecht für Wettbewerb und Innovation. Das Interesse des Marktes an Wettbewerb und Innovation hat Vorrang.

Aber was ist, wenn Oracle wegen MySQL-bezogener Probleme aus dem Kauf von Sun aussteigt?

Falls es dazu käme, wäre das bedauerlich, aber es würde gleichzeitig demonstrieren, dass die verschiedenen Bedenken über die wettbewerbsfeindlichen Auswirkungen der Transaktion gut begründet waren.

Die Schuld wäre bei Oracle liegen.

Sun müsste an einer eigenständigen Zukunft arbeiten oder einen anderen Käufer finden. Sun besitzt einige wertvolle Marken und hat mimer noch (außer MySQL) einige wertvolle Technologien in seinem Besitz. Der Preis für eine Übernahme könnte anders ausfallen, wenn der Käufer nicht von der speziellen Motivation getrieben ist, einen schmerzhaften Konkurrenten loszuwerden, aber auf jeden Fall wäre genug Geld vorhanden, dass ein Teil davon in eine Verbesserung von Sun's wirtschaftlicher Situation investiert werden könnte.

Was gibt es zum Brief der US-Sentatoren zu sagen, wonach eine Verzögerung der Oracle/Sun-Transaktion bei Sun massive Arbeitsplatzverluste zur Folge habe?

Arbeitsplatzverluste sind ein ernstes Problem, insbesondere auch in Anbetracht der Arbeitslosigkeit, die gegenwärtig in den USA besteht. Allerdings ist nicht klar, dass Sun diese Stellen erhalten würde, selbst wenn der Deal schon morgen freigegeben würde.

Bei Bekanntgabe der Übernahme von Sun signalisierte Oracle, es werde sicherstellen, dass das Geschäft von Sun durch Konsolidierung und Zusammenlegung von Betriebsbereichen mit denen von Oracle profitabel würde. Zum betreffenden Zeitpunkt schätzten Analysten an der Wall Street und Beobachter des IT-Marktes, dass der Deal zwischen 10.000 und 15.000 Stellenstreichungen, vorwiegend bei Sun, zur Folge haben werde. Bei seinen Übernahmen hat Oracle traditionell die Stellenzahl der übernommenen Firma zwischen 3,5 und 10% gekürzt, je nachdem, wie stark sich die Geschäfte überlappten, wie sich das wirtschaftliche Klima gestaltete, etc.

Zudem befindet sich Sun’s Geschäft seit Jahren im Abwärtstrend. Sun begann nach dem Platzen der Dotcom-Blase 82001) mit dem Abbau on Stellen, wobei die Stellenstreichungen über die Jahre 2003, 2004 und 2005 verteilt waren. In 2006 entließ Sun etwa 7% seiner Mitarbeiter. Im November 2008 strich Sun etwa 6.000 Stellen (18% seines damaligen Personalbestands). Es nahm dann weitere 1.500 Entlassungen im März 2009 vor. Was auch immer passiert, bei Sun werden Stellen verloren gehen. Die kürzliche Ankündigung von Entlassungen sieht somit nach lediglich einer weiteren Stellenkürzung aus, die sich in Kontinuität mit eine Serie derartiger Bekanntgaben besteht, die über die letzten sieben Jahre hinweg zu beobachten war.

Kann man Oracle nicht vertrauen, sich gut um MySQL zu kümmern?

Oracle's Kompetenz im Datenbankgeschfät steht außer Frage. Was Oracle aber über seine Absichten äußert, ist irrelevant. Die wesentliche Frage muss hier sein, was ein Käufer logischerweise nach Abschluss einer Akquisition tun wird, um den Aktionären möglichst gute Ergebnisse zu liefern. Wenn diese Motivation recht klar darin besteht, ein Produkt vom Markt zu nehmen oder (wie es bei MySQL der Plan zu sein scheint) es technologisch zu beschränken und es in Vertrieb und Marketing unschädlich zu machen, dann spielt keine Rolle, was jemand verspricht oder ankündigt. Dann zählt noch nicht einmal, was jemand vielleicht nach anderen, mehr oder weniger unabhängigen Transaktionen getan haben mag.